Die Crux mit GAT

Besonders von Studenten habe ich immer wieder Anfragen für sehr aufwendige Transkriptionen, wie zum Beispiel GAT (Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem), bei der es sowohl um den Inhalt, aber vor allem auch auf die Art und Weise, wie gesprochen wird, ankommt.

Innerhalb der Kategorie GAT-Transkription wird (leider) sogar nochmals unterschieden zwischen

Basistranskript
Feintranskript
Minimaltranskript

Hier werden die Besonderheiten einer GAT-Transkription sehr gut beschrieben: Wikipedia. Die Anfertigung einer qualitativ zufriedenstellenden GAT-Transkription empfinde ich als sehr schwierig, und ich frage mich, ob es grundsätzlich überhaupt sinnvoll ist, einem Außenstehenden eine solche Arbeit zu übertragen.

Transkribieren hat sehr viel mit Wahrnehmung zu tun. Da die menschliche Wahrnehmung aber naturgemäß eine sehr subjektive, individuelle Angelegenheit ist, kann es meiner Meinung nach keine objektiv perfekte, so stark ins Detail gehende, Transkription geben.

Wenn ich zum Beispiel eine solche Transkription zum dritten Mal durchlese und mit der Gesprächsaufzeichnung vergleiche, nehme ich häufig die einzelnen Gesprächsnuancen anders wahr, als beim ersten oder zweiten Anhören der Tonaufzeichnung. Dann hört sich die Tonhöhe, die Lautstärke des Sprechers oder auch nur die eine oder andere kleine Verzögerung oder Pause für mich anders an, als beim ersten oder zweiten Korrekturdurchgang. Leider neige ich dann dazu, immer wieder Änderungen vorzunehmen, in dem Bestreben, jedes kleinste Detail richtig zu verschriftlichen. Meine Zweifel werden mit jedem Durchlesen größer, und jeder Korrekturdurchgang endet bei mir in einem anderen Transkriptionsergebnis, was für mich ziemlich frustrierend sein kann.

Ich werde dann das Gefühl nicht los, eine schlechte Transkription zu abzuliefern und mein Auftraggeber bei der Überprüfung des Transkripts viele Dinge anders hört, anders wahrnimmt und damit anders transkribiert.

Dies meine Gedanken zum für mich sehr unbefriedigenden Thema GAT. Aber wie schon im ersten Satz erwähnt, gibt es da draußen jede Menge von GAT-Experten. Was für ein Trost …  😉

Ihre Maria Haslinger

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