„Wie kann ich wissen, was ich schreibe, …

… wenn ich nicht verstehe, was gesagt wird?“ (frei nach Edward Morgan Forster)

Die wenigsten Audiotranskriptionen, welche ich in den letzten Jahren angefertigt habe, konnte ich einfach mal flott runtertippen und nach einmaligem Korrekturlesen mit gutem Gewissen an den Kunden schicken.

Oft ist Audiotranskription ein mühsames Ringen um jedes einzelne Wort, zumal fast in jedem Gespräch auch Eigennamen oder Fachausdrücke vorkommen. Besonders dann, wenn es akustisch problematisch wird – es im Zimmer hallt, Hintergrundgespräche oder Gelächter das eigentliche Gespräch überlagern oder auch nur vergessen wurde, das Fenster zu schließen und immer wieder ein Motorrad vorbeiknattert – kann die Anfertigung einer Transkription schon sehr sehr mühsam werden.

Es gibt aber auch den perfekt Hochdeutsch sprechenden Menschen, der aber leider jeden Satz leise nuschelnd ins Nichts ausklingen lässt, und ich ständig versuchen muss, durch Lautstärkenerhöhung das letzte Quentchen Satz auch noch herauszufiltern.

Oder da ist der durchaus sympathische Dialektsprecher, bei welchem man nicht nur einzelne Worte, sondern auch die komplette Grammatik eindeutschen muss. Aber so lange ich den Inhalt verstehe, ist das zum Glück das geringste Übel. Der vermehrte Zeitaufwand hierfür ist aber nicht zu unterschätzen und wird leider auch nicht extra bezahlt.

Da gibt es die nicht ausgeschalteten Handys, welche die Gesprächsaufzeichnung durch penetrante Tut-tut-tut-Geräusche oft bis zur Unkenntlichkeit vollständig überlagern – davon abgesehen, dass diese Geräusche sehr unangenehm fürs Ohr sind.

Da gibt es Gesprächspartner, welche sich ständig mit einem Affenzahn gegenseitig ins Wort fallen bis hin zum undurchdringlichen Gesprächswirrwarr. Und da gibt es noch diejenigen, die ständig zwischen ihrem deutschen Dialekt und nicht akzentfreiem Englisch hin- und herwechseln mit häufiger Einbindug von branchenspezifischen Fachbegriffen.

Da helfen mir auch die schnellsten Finger auf der Tastatur nichts, wenn ich nicht verstehe, was gesagt wird. Oft genug hilft nur eine gute Portion Fantasie, um aus dem Gehörten etwas Verständliches herauszufiltern.

Das waren wieder mal Gedanken einer Transkripteuse, die sich nun schon seit fast sieben Jahren mit diesen Problemen herumschlägt und komischerweise ihre Arbeit immer noch gerne macht. 🙂

Ihre Tippmamsell Maria Haslinger

 

 

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